Anfang 2000 haben alle Freunde zum 30. Geburtstag meines Schwagers zusammengelegt und ihm zwei Tickets für das Formel 1 - Rennen in Hockenheim geschenkt. Da meine Frau und ich unbedingt mal ein Rennen live sehen wollten, sind wir glatt mitgefahren. Kurz danach habe ich einen Erlebnisbericht verfasst,  den ich Euch nicht vorenthalten möchte:

 

Nach vielen Jahren F1 im Fernsehen und nachgespielt auf PC sollte es dieses Jahr nun endlich einmal direkt an die Rennstrecke gehen! Also, die Kinder wurden untergebracht, Koffer gepackt, Frau und Schwager mit Freundin eingeladen und ab ging’s! 7 Stunden von Hamburg nach Heidelberg(wo wir übernachtet haben) am Donnerstag vorm Rennen.

Freitag nicht zu früh aufgestanden, das F3000 Training nahmen wir in Kauf, zu verpassen (die F3000-Fans mögen es uns bitte verzeihen!). 20 min. mit dem Auto nach Hockenheim, Mist, schon auf der Autobahn Stau. Der Verkehr fließt aber gut weiter und die Grünen mit den weißen Mützen leiten uns direkt zu P2, Nähe Nordkurve. Welch Glück, ohne die anderen Zuschauer vielleicht 15 min Fußweg zur Südkurve, mit den ganzen Leuten rd. 30 min. Ist aber ok.

Dann der große Augenblick! Die 30-40 Stufen rauf und dann der erste Blick auf Motodrom und Start-Ziel. Tztztztz, das sieht ja kleiner aus als erwartet. Naja…

Ok, gut gerüstet mit Ohrenstöpsel (am Band!), Fernglas, 400mm Objektiv und 1600er Filmen warten wir gespannt auf’s freie Training. Die Übersicht auf die Strecke ist genial. Die sch***teuren Silber-Karten überdacht haben sich gelohnt. Und dann geht’s los. Ok, lass uns den Sound erst mal ungefiltert genießen, die fahren ja ohnehin sofort wieder in die Box! … Boah! Das pustet einem ja die Ohren durch! Der Sound fährt in alle Glieder! Den erlebt man am ganzen Körper. Jede Fehlzündung beim Runtergehen vom Gas und beim Schalten bläst die Gehörgänge frei. Lass uns mal fotografieren. MIST! Wer fährt denn da nicht in die Box! Ich glaub mein Trommelfell flattert! Ok, also Stöpsel rein.

Naja, so bringen wir den ersten Renntag hinter uns und gehen vor den Formel3000-Trainings. Ok, Asche über unser Haupt, die Strafe folgte ja auch auf dem Fuße: Es schüttet auf unserem 30minütigem Fußmarsch wie aus Eimern! Wir werden trotz Regenjacken nass bis auf die Haut. Das Wasser können wir aus den Schuhen kippen(sogenannte Kneipp-Latschen). Ich bin stinksauer und kann erst abends wieder darüber lachen. Wir alle brauchen neue Schuhe, weil diese bestimmt nicht bis morgen trocken werden. Kommentar der Verkäuferin: <O-Ton an> Oh, waren Sie auch am Ring? <O-Ton aus>. Der Brüller schlechthin, vor uns waren schon welche da, nach uns kamen weitere!

Auf dem Campingplatz ist mehrfach der Blitz eingeschlagen und es hat mehrere Verletzte gegeben. :-( Reicht wohl nicht, dass dort das Wasser teilweise 10 cm tief war. Naja, das wär’ nix für uns.

Samstag geht’s weiter. Frühes Aufstehen, wir wollen nix verpassen. Shit, die Grünen leiten uns heute nicht zu P2. Wir sind wohl zu spät und müssen auf ‘ner Wiese parken. Hoffentlich saufen wir nicht ab. Der Fußmarsch, wieder 30 min ist ok. Unterwegs wollen wir Mützen kaufen. 60,00 DM für ‘ne Schumi-Cap!!! Ne, die wollen wir nicht. Da ist ja nur Werbung von der Deutschen Vermögensberatung und Shell d’rauf. Nur die ‘3′ erinnert an Schumi. Grün würde Dir stehen. Nee! Will ich nicht… Ha! ‘ne Frentzen-Mütze, die isses. Kostet nur 39,00 Ditscher. Und für Frentzen sind wir ja auch! Hauptsache der Stern siegt nicht! Was kosten denn die Shirts, 120,00?!? … die spinnen wohl. Also kaufen wir Gas-Tröten und ab geht’s an die Strecke.

Zum ersten Training kommen wir natürlich zu spät, aber der Tag wird trotzdem spannend. Die Einzelheiten kennt Ihr aus dem Fernsehen. Auch der Stadionsprecher läuft zu Höchstform auf. Der ist teilweise zum Brüllen. Sprüche, die gehören in die dtj(Anm.2008: Newsgroup für Jokes)! Und so endet ein rund’rum gelungener Tag beim Italiener mit viel Vorfreude auf den Rennsonntag.

Noch früher geht’s los, wir wollen näher dran parken. Die Grünen wirken wieder gut organisiert, lassen uns aber weder zu P2, noch auf die Wiese. Die ist abgesoffen. Noch weiter wegparken wollen wir nicht, schummeln uns also nach Hockenheim rein, Richtung Rennstrecke. Wollen wir hier im Wohngebiet parken? Nö, die Grünen haben das so gut organisiert und leiten uns weiter, da kommen wir nahe an die Rennstrecke und später gut wieder weg! Und siehe da, wir landen auf P2! Welch ein Glück!

Gute Stimmung und volles Haus an der Rennstrecke. Nach dem Warm-Up folgt der Porsche-Cup und der ist enorm unterhaltsam. Da knutschen die Autos, der eine oder andere onduliert schon mal seine Schnauze, die des Wagens natürlich (O-Ton Streckensprecher). Das sind ja 28 Wagen und das Feld bleibt immer ziemlich nah beisammen. Dafür brauchen sie auch länger um das Rund! Es ist immer wie ein Spuk, wenn die durch sind.

Dann die Fahrerparade. Die Stimmung kennt keine Grenzen. Für die Fahrer ist das Gänsehaut Körnung 15, wenn man mal die Schleifpapier-Grade zugrundelegt (O-Ton… na, Ihr wisst schon!). Die Fahrer werden in Lebensgröße auf den Film gebannt. Die Stimmung unter den Zuschauern knallt so richtig. Nur ,warum wird für Coulthard und Hakkinen gebuht??? Das finde ich nicht ok! Den Stern finde ich zwar Sch***e, aber das ist unnötig! Dann das Oldtimer-Rennen. Äußerst eindrucksvoll! F1-Rennsportgeschichte mit Silberpfeilen aus den 30er Jahren! Irre!

Dann folgt eine längere Pause, was der Stimmung kaum Abbruch tut. Fast alle bleiben auf ihren Plätzen. In der Südkurve startet eine Laola (wie schreibt man das¿¿¿) nach der anderen. Leider stocken sie jedes Mal bei der Promi-Tribüne. Die haben wohl Angst, ihren Schampus zu verschütten. Dummvögel. Das gesamt Motodrom (also wohl an die 100.000 Zuschauer) quittieren das mit einem Pfeifkonzert, gefolgt von energischem Tröten und der nächsten Laola.

Die Spannung steigt, der Start nähert sich, und dann geht’s lost. Unter einem Riesenalarm der Zuschauer, man hört kaum noch die Boliden, startet das Feld. Alle verrenken sich (noch begeistert) die Köpfe, um das Ende der Startgeraden zu sehen. Dann sieht man in der ersten Kurve eine Staubwolke und was hellblaues abfliegen. Die Bildwände bestätigen dann die bösesten Befürchtungen, Schumi ist dabei. Ich hätte nie geglaubt, dass 100.000 Leute so leise sein können. Nur lautlose, ungläubige Gesichter, unfassbares An-den-Kopf-fassen, auch der Hoffnungsschimmer Rennabbruch verfliegt. Dann fliegt das Feld heran.

Erst nach 4-5 Runden kommt langsam wieder Stimmung auf: Barricello und Frentzen starten ihre Wahnsinns-Aufholjagden. Jedes Überholmanöver wird frenetisch bejubelt, ebenso der Fahrer, wenn er durch das Motodrom kommt. Es folgt ein Rennen, das alles beinhaltet, was man sich nur wünschen kann. Wieso fährt Hakkinen sofort rein und holt sich Regenreifen. Was macht der Idiot da auf der Strecke? Ein abfackelnder Wagen im Motodrom. Abflug im Motodrom. Dreher/Pirouette von Irvine zu beginn der Start-Ziel-Geraden, direkt vor uns. Dreher von Wurz. Wie können Barricello und Frentzen bloß noch mit Trockenreifen fahren, es schüttet doch wie aus Eimern? … … …

Dann Jubel für den glücklichen, und höchst verdienten, sympathischen Sieger, der Schumi auch noch den Vorsprung gerettet hat(Anm. 2006: Baricello). Bedauern für Frentzen, wie kann einer allein soviel Pech in einer Saison haben. Dann unglaubliche Bilder von der Siegerehrung. Ein Rennsonntag, wie er im Buche steht!

Wir lassen uns Zeit. Man lässt die Zuschauer auf die Rennstrecke. Wir können erzählen, dass wir die Start-Ziel in Hockenheim runtergeschlendert sind. Tolles Feeling! Dann noch einen Kaffee, und dann langsam zum Auto. Lange Schlangen auf dem Parkplatz, alle mit ausgeschaltetem Motor! Hinter unserem Wagen steht einer schon seit 45min! in der Schlange, genau auf dieser Stelle! Wir brauchen rd. 2,5 Stunden, bis wir den Parkplatz verlassen können! Unglaublich! Wer sagte, dass die Grünen das gut organisiert haben? Wer wollte nicht im Wohngebiet parken? Naja, aber die Laune lassen wir uns nicht verderben.

Beim Italiener endet der Abend dann äußerst gemütlich. Schade, dass der sich offenbar nicht für die F1 interessiert. Wenig patriotisch - oder?

Am Montag, nach einer Besichtigungstour durch Heidelberg geht’s dann wieder nach Hamburg. Ankunft ca. 21.00, Bericht an die Schwiegereltern, Kinder übernehmen und dann, 23:30 vor den Fernseher, Rennaufzeichnung ansehen. Zu viele Fragen sind offen geblieben! Dienstag, 7 Filme mit Rennwochenend-Bildern abgeben, Mittwoch abholen und seit dem täglich ansehen. Jedem, ob er es hören will oder nicht, alles berichten.

Tja, alles mit eingerechnet hat das WoEnde wohl 3.000,00 DM pro Paar gekostet. Naja, macht man ja nur einmal in 10 Jahren - oder???

Hm … wollen wir uns mal erkundigen, ob man die Karten vielleicht zum aufgedruckten Preis heute schon ordern kann? … … Den Freitag können wir ja auch auslassen, vielleicht sind die Karten dann billiger.

ich werde berichten.


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